Treffen der Birthälmer "Adjuvanten"


Adjuvanten

Jahr für Jahr in der Regel im Mai oder Juni treffen sich die Birthälmer Adjuvanten für ein Wochenende auf der Schwäbischen Alb in Onstmettingen, einem Stadtteil von Albstadt.
Am Freitagnachmittag treffen als erste die in Albstadt lebenden Familien Erich und Richard Krestel zwischen 17 und 18 Uhr in der Jugendherberge "Fuchsfarm" ein.
Die "Fuchsfarm" liegt außerhalb des Ortes inmitten wildromantischer Natur - sattes Grün, soweit das Auge reicht. Für die Adjuvanten und ihre Freunde bietet sich die willkommene Gelegenheit für Spaziergänge mit entspannten Gesprächen in idyllischer Umgebung.
Die Krestels, die dieses jährliche Treffen organisieren, sorgen stets dafür, dass die zahlreichen knurrenden Mägen beruhigt werden: Nachdem die "Adjuvanten" mit ihren Familien allmählich eingetrudelt sind, gibt es eine Jause, wie wir sie von früher aus Birthälmer Tagen kennen: Selbstgebackenes Brot, "Fett" (Schmalz), Grieben und "Grüne Zwiebeln" (Lauchzwiebeln) werden auf einem Tisch kredenzt. Auch Rote Zwiebeln sind manchmal unter den servierten Köstlichkeiten. Da lässt sich niemand zweimal bitten, heranzutreten und sich ein "Fettbrot" zu schmieren. Hmm, ist das lecker!
Schon bald packen die "Adjuvanten" ihre Instrumente für ein erstes Ständchen aus. Obwohl die Runde im Laufe der Jahre leider (altersbedingt) geschrumpft ist, ist sie dennoch erfreulicherweise vielfältig: Von Klarinette über Trompete, Posaune, Flügelhorn, Bassflügelhorn (Tenorhorn) bis hin zur Tuba ist noch immer alles vertreten auch Dank vielseitiger Musikanten wie Rudi Krestel, der nicht nur Trompete spielt, sondern auch gerne mal zur Posaune greift. Zuweilen ist es sogar noch "bunter", wenn einige, nicht regelmäßig Teilnehmende anwesend sind, beispielsweise Ingo Wolf mit seinem Saxophon oder Karl Ottinger mit dem Akkordeon.
Ein heiterer, geselliger Abend mit vielen wechselnden Gesprächsrunden nimmt seinen Lauf: Witze, Scherze und natürlich Erinnerungen (an die alte Heimat) dürfen da nicht fehlen. Aber auch ernstere Töne werden angeschlagen: Man erkundigt sich gegenseitig über das allgemeine Befinden, die Gesundheit oder die Situation im Arbeitsleben und über die (daheim gebliebenen) Angehörigen.
Das Diskutieren und Musizieren sorgt dafür, dass die köstlichen Fettbrote schnell "durchgesackt" sind. Doch auch dafür haben die Krestels vorgesorgt: Mit knackigen Würstchen stärkt sich die Runde für eine lange Nacht, denn erst zwischen zwei und drei Uhr tritt "der harte Kern" den Matratzenhorchdienst an.
Nachdem die Instrumente unserer Adjuvanten verstummt sind, beginnt in den beiden Gemeinschafts-Schlafräumen im Dachgeschoss, wo einer neben dem anderen liegt (fast wie die Sardinen in der Büchse) ein Konzert der anderen Art: Was sich da abspielt, hört sich an, als ob einige Kandidaten drauf und dran wären, den gesamten Waldbestand der Schwäbischen Alb in Bretter zu zersägen.
Zwischendurch wird das Ganze immer wieder von Tönen "verfeinert", die aus einer ganz anderen Körperöffnung herrühren und anmuten, als ob röhrende Hirsche vor der Tür stünden oder sich gar mitten im Raum befänden. Wenn irgendjemand einen solchen Ton von sich gibt, dauert es oft nicht lange, bis er aus irgendeiner Ecke erwidert wird.
Beim Zubettgehen wird aufgrund der vielen Scherze und des Herumalberns lauthals und herzhaft gelacht. Bis die letzten Lacher verstummt sind und das Feld komplett den "Holzfällern" überlassen wird, verstreicht zuweilen beinahe eine Stunde.

Familien und Freunde der Adjuvanten

Der Samstag beginnt mit Spaziergängen nach einem stärkenden Frühstück. Die zahlreichen Wanderwege, Wiesen und Wälder laden ein zum ausgiebigen Verweilen inmitten entspannender Natur.
Jung und Alt brechen auf, um "sich die Beine zu vertreten" und um "frische Luft zu schnappen". Dabei steuern sie jedes Jahr einen bestimmten Punkt an: Die etwa zwei Kilometer entfernte Aussichtsstelle mit weitläufigem Rundumblick auf Hechingen und Bisingen mit seinem monumentalen Wahrzeichen: Die etwa 17 Kilometer entfernte Burg Hohenzollern, die majestätisch auf einem 855 Meter hohen Bergkegel thront. Mit ihren von Zinnen gekrönten Wehrmauern, der neugotischen Spitzbogenarchitektur und den zahlreichen polygonalen Türmen und Türmchen bietet sie einen märchenhaften Anblick.
Nach der Wanderung sorgt ein Mittagessen nach Schwäbischer Art für Stärkung: Spätzle mit Gulasch. Am Nachmittag geht es hoch her: Viele der Adjuvanten und ihre Frauen sind mittlerweile stolze Opas und Omas. Nachdem nun auch die Kinder der Krestels mit ihrem Nachwuchs hinzugekommen sind, sorgen die Krestel-Enkel gemeinsam mit den bereits anwesenden Kindern, die am Freitagnachmittag anreisten (beispielsweise die Untch-Enkel), für ein Getümmel und Gewimmel als ob man in ein Wespennest geschossen hätte ein ausgelassenes Treiben, genauso quicklebendig, wie wir es einst an den Nachmittagen auf den Straßen Birthälms erlebten.
Bei Kaffee und Kuchen wird entspannt geplaudert, geflachst, erzählt und diskutiert. Eine Köstlichkeit, die wir aus Siebenbürger Tagen kennen, darf am Nachmittag nicht fehlen: gekochtes "Kukuruz".
Zwischendurch sorgen immer wieder die Adjuvanten für musikalische Einlagen: Melodien, die für Wehmut und Gänsehaut sorgen, insbesondere Lieder wie "Mein Heimatland". Ebenfalls gern gespielt und gern gehört sind auch weitere durchaus bekannte Titel wie "Böhmischer Traum" oder "Die Kapelle hat gewonnen".
Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass es auch unter den Bläsern noch junge Gesichter gibt: Die drei Söhne von Erich Krestel (Erich, "Rudi" und Dieter), allesamt versierte Musikanten, die bereits zu Birthälmer Zeiten erste Gehversuche auf musikalischem Terrain unternahmen und mit der Blasmusik schon seit jenen Tagen vertraut sind. Hinzu kommt noch ein junger Mann, der so jung ist, dass er die Adjuvanten zu Birthälmer Zeiten nicht mehr kennenlernen konnte: Axel Maurer, Sohn von Hans Maurer. Er ist nicht nur äußerst talentiert, sondern auch vielseitig: Seine Darbietungen mit den Holzblasinstrumenten (Klarinette) sind gleichermaßen souverän und beeindruckend wie jene mit den Blechblasinstrumenten (Trompete).
Am Abend lassen die Adjuvanten ihre Instrumente ruhen, denn dann wird das Tanzbein geschwungen: Bei fetzigen Schlagern und stimmungsvollen Oberkrainern lassen Groß und Klein den Tag ausgelassen ausklingen. Dass dabei der ein oder andere Schluck "gezurpt" wird, versteht sich von selbst.
Davor aber gibt es noch eine leckere Verköstigung, die auf dem Adjuvantentreffen genauso zur Tradition geworden ist wie die Fettbrote, die Würstchen und das gekochte "Kukuruz": Mici. Damit die gesamte Truppe verköstigt werden kann, müssen auf dem großen Grill, den die Krestels herbeischaffen, mindestens zweihundert Mici gegrillt werden.
Wenn sich die Truppe dann zu später Nachtstunde oder eher früher Morgenstunde - zur "Nachtruhe" (Welch eine Ironie!) begibt, beginnt erneut das altbekannte Konzert, welches mitunter den Eindruck erweckt, als ob einige "Holzfäller" beharrlich versuchten, den Restbestand an Bäumen, der die vorige Nacht überlebt hatte, nun auch noch unbedingt wegzusägen.

Am Sonntagmorgen macht sich nach dem Frühstück allmählich Aufbruchstimmung breit. Nachdem man Tische und Stühle abgebaut, alles durchgefegt und aufgeräumt hat, nimmt das "Musikantentreffen" sein Ende, wenn zwischen elf und zwölf Uhr die Teilnehmer nach und nach die Heimreise antreten. In ihrem Gepäck: Die Vorfreude auf das nächste Treffen.
Der Dank der Teilnehmer gilt insbesondere den Familien Erich und Richard Krestel. Ohne ihren Einsatz gäbe es höchstwahrscheinlich schon längst kein "Musikantentreffen" mehr. Ob Unterkunft oder Verpflegung um alles kümmern sie sich Jahr für Jahr und sorgen stets für einen reibungslosen Ablauf. Danke.

Uwe Schuller, 07. Juli 2015